Vor einigen Jahren habe ich mich auf dieser Seiten (s.u.) als protoyptischen Nerd, Geek und Techie presentiert. Ich war (und bin) ein Fan von Dilbert-Cartoons, konditioniert für seltsame Arbeitszeiten. Die Schützengrabenrhetorik der IT-Marketingstrategien (Airlift, War Room) hat auch Ihre Spuren hinterlassen. Heute erzeugt das Zusammentreffen mit der weichgespülten Networking-Sprache (wertschätzenden Kommunikation) seltsame linguisitsche Turbulenzen. Ernsthaft: Ich bin der Meinung, dass die besten 'Kontakte' jene Kriegskameraden sind, mit denen man unter Stress tatsächlich eine Schlacht geschlagen hat.
Das Wort 'Technologie' hatte ich implizit definiert - als die praktische Umsetzung von Erkenntnissen aus Natur- und Ingenieurwissenschaften (Neudeutsch: MINT). Eigentlich müsste es im Gegensatz zu 'Technik' aber das 'Verständnis von Technik' bedeuten - paradoxerweise. Ein Sickerwitz.
Nach vielen Jahren von Was-auch-immer darf man ein Resümee ziehen: Die Erfahrung war es wert - fachlich und persönlich. Es ist herausfordernd, subversiv und auf paradox-komische Art lustig, Teil eines endlosen Stroms von Dilbert-Cartoons zu sein. Aber irgendwann möchte man wieder der gelegentliche Leser dieser Cartoons sein. Gerne um den Preis, den Platz in der Hall of Fame zu räumen und den Hahn zu Geldspeicher drosseln zu müssen.
Scott Adams hat God's Debris geschrieben. Ich wäre interessiert an seinen Motiven.
(Anfang 2011)
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Was ich an dem Umfeld Wissenschaft - Forschung - Innovation - IT - Technik - immer geschätzt habe, ist - vielleicht überraschend - das soziale Umfeld und die hier übliche typische schräge Art von Humor.
Ich habe mich, was Kollegen betrifft, immer sehr wohl gefühlt in allen technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen und war seit der Uni immer auch 'Gruppen-Psychologin' und 'Stimmungsgestalterin'. Ich schätze lockere Arbeitsatmosphäre und Gestaltungsfreiheit und fühle mich von 'Strukturen' in Firmen oder Organisationen generell schnell eingeengt.
Das lässt sich schwer beschreiben, vielleicht am besten am Beispiel eines typischen Stimmungsbildes:
23:00 ... Aber es gibt noch Leben im Office (oder im Serverraum). Das Projektteam kämpft darum, die Deadline noch zu erreichen. Nach vielen Tassen Kaffe, Flaschen Cola und Pizzas steigt die Stimmung paradoxerweise und es ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar, wenn hoch qualifizierte Leute kindliche Freude daran haben, ihre Testdomäne disaster.now zu nennen.
Noch zu den Fakten mich betreffend - 'Technologie' kann ja Vieles heißen.
Meine technischen und naturwissenschaftlichen Heimat-Gebiete sind
(CV-chronologisch):
Laser-Materialbearbeitung, Supraleitung, Festkörperphysik, Quantenstatistik,
Werkstofftechnik, IT-Netzwerk-Infrastruktur, Verzeichnisdienste,
Public-Key-Infrastructures, Kryptographie, Virtual Private Network, 802.1x,
Wireless LAN, nicht-lineare Phänomene (Chaos)..
Für mich bedeutet 'Technik' aber auch (nebenbei: heißt 'Technologie' nicht 'Verstehen der Technik', oder 'Sinn der Technik', Logos = Sinn... da denke ich gleich an Viktor Frankl...)
Systematisch, analysierend, auf den Grund gehend (ja, ja, die bösen und enghirnigen Spezialisten. Außer es gibt ein echtes Problem: Dann greifen auch die ganzheitlichen Generalisten gerne auf uns zurück.)
Anpacken und etwas auf die Beine stellen: eine Lösung 'bauen' mit handwerklichem Stolz. IT ist Handwerk für mich, und nicht: Überdrüber-Dotcom-..., Prozess-Verbesserungs-Meta-Abgehobenes...
Dranbleiben und etwas zu Ende bringen, also ein 'Completer-Finisher' nach Belbin's Teamrollen-Modell (auch ein Teamworker übrigens - aber das ich momentan hier nicht das Thema - ich muss versuchen, dem Techniker-Klischée etwas zu entsprechen).
Gemeinsame, große visionäre Themen gibt es aber - ich will diese aber immer am Boden der Realität festzurren:
Systeme und die Wechselwirkung ihrer Einzelkomponenten: von den komplexen Vorgängen beim Wachstum dünner Schichten (nicht-lineare Gleichungen) bis zu den den Knoten in Netzwerk-Topologien. Auch von Menschen geschaffenen technische Systeme sind oft nur mit empirischen Methoden a la Experimentalphysik zu erfassen (und da denke ich jetzt nicht an Künstliche Intelligenz etc. sondern an ganz normale unspektakuläre 'Basis-Infrastruktur-Komponenten')
Security / Sicherheit in jedem erdenklichen Sinn: Ich bin besessen von möglichen Risiken, richtig paranoid und dringe in die schmerzhaften Bereiche dieses Thema vor: Wer wird meine Daten lesen können, wenn ich sterbe? Was passiert, wenn mein Haus in einem Brand vernichtet wird und gleichzeitig mein Rechner gestohlen? Was heißt Sicherheit überhaupt? Was wollen wir schützen? Was wollen wir sicher für immer zerstören? Wie lange sind unsere PKIs noch sicher vor den Quantencomputern? Wie lösen wir (als Menschheit?) den Widerspruch zwischen der scheinbaren Unsicherheit und Instabilität 'unserer Zeit' und dem allgegenwärtigen Anspruch auf '24x7' und 'Contingency Management'?
Security ist Psychologie und Technik!
Wichtige Meta-Fakten also: Nerd, Geek, Freak (aber doch auch mit ausgeprägten sozialen Fähigkeiten - nach dem Urteil Dritter)
Überarbeitet (ergänzt, keine Löschungen): 18.3.2006
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